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»Die Imkerei ist eine Wissenschaft für sich«. Der dies
feststellt, ist zwar kein Wissenschaftler, jedoch Imker aus Passion, Imkermeister,
Vorsitzender des Imkervereins Hohberg
und Leiter des Hohberger Bienenmuseums im Diersburger Rathaus.
Die Rede ist von Paul Zimmermann. Vor 15 Jahren hat er das inzwischen zu
klein gewordene Museum zusammen mit 25 Imkern in ungezählten freiwilligen
Arbeitsstunden mit Bienenfleiß unter dem Dach des Hauses im Dorfmittelpunkt
aufgebaut und zu einer vielseitigen Darstellung der badischen Imkerei in
Vergangenheit und Gegenwärt gemacht.
Man könnte von Größe
und Inhalt her auch von einem Schatzkästlein der Imkerei sprechen.
An die 25000 Besucher wurden bislang gezählt.
Zwischen 1500 und 2000 Personen, darunter jeweils 25 bis 30 Schulklassen,
steigen alljährlich zum Diersburger Rathausspeicher hinauf, wo zwischen
14 und 17 Uhr, oder aber nach Vereinbarung, die Tür zu einem original
badischen Bienenhäuschen, aber auch zu einem kleinen Volk von Honigsammlerinnen
und zu verschiedenen Formen von Bienenkörben, alten und modernen Betriebsgeräten,
zu informativen Lehrtafeln und Vitrinen öffnet. Natürlich fehlt
auch eine Theke mit Produkten des Bienenvolks nicht.
Rund 600 Ausstellungsstücke sind mit den Jahren zusammengekommen. Was
überquillt, wandert in die Abstellkammer, noch eine Treppe höher.
»Von jedem Ausstellungsstück könnte ich Ihnen eine Geschichte
erzählen«, sprudelt es aus Paul Zimmermann nur so heraus, der
mit Gästebüchern und Namen aus der halben Welt beweisen kann,
daß das Hohberger Bienenmuseum bereits internationalen Ruf genießt.
Er verweist mit dem gleichen Stolz auf die dem Hohberger
Ehrenmitglied Senator Dr. Franz Burda gewidmete Sitzecke. Burda gab seinerzeit
den »Südwestdeutschen Imker« heraus und besaß in
Zell-Weierbach ein Bienenhaus, in dem er nach dem Krieg wertvolle Dinge
vor fremdem Zugriff bewahrte. In der besagten Sitzecke kann man heute
die bekannte Bienenpredigt nachlesen, die der Bienenpfarrer Johannes Vogt
aus Oberprechtal 1983 aus Anlaß des 75jährigen Bestehens des
Schuttertäler Imkervereins gehalten und in einfachen Worten die Bedeutung
der Bienen wie folgt geschildert hat:
»Die Biene sollte nach Gottes Willen die größte
Wohltäterin der Menschheit werden. Wieso? Die Biene spende uns den
Honig, die kostbarste Gabe, das edelste Erzeugnis der Natur, das beste
Nähr- und Heilmittel. Die Biene ist es, die allüberall die herrliche
Blütenwelt befruchtet. Sie muß bei ihrem Honigsuchen den Blütenstaub
der einen Blüte auf den Stempel der anderen Blüte tragen. Nur
so kommt eine Befruchtung zustande. Nur so können aus Blüten
Früchte werden. Was verdanken wir also den Bienen? Das köstliche
Obst, das frische Gemüse, die heilsame Medizin, die bezaubernden
Blumen.«
Das Bienenmuseum spricht neben der instruktiven auch eine mahnende Sprache,
verschließt sich andererseits aber auch nicht der Bienenpoesie:
Mein Herz, das ist ein Bienenhaus, die Mädchen sind darin die Bienen«.
Wer kennt sie nicht, diese vielsagende Melodie?
Es wundert nicht, daß unter diesem lyrischen Bekenntnis
so mancher Besucher schon länger verweilt hat als unter jener Serie
von Tafeln, die über die Arbeitsteilung, man könnte auch sagen
über den Dienstplan der Bienen Aufschluß geben. Daraus einige
Beispiele:
- 1. Tag: Zellen putzen
- 6. bis 13. Tag: Pflegen der Königin
- ab 21. bis etwa 55. Tag: Waldhonig ernten - eine strapaziöse
Aufgabe vor seinem menschlichen Genuß.
Allein um den Nektar für ein Kilogramm Honig zu
sammeln, müssen die Bienen drei bis fünf Millionen Blüten
aufsuchen sowie ungefähr 60.000 mal vom Bienenstock zu den Blüten
und zurück fliegen. Eine ungeheure Fleißarbeit.
Mit ihr entsteht aber auch, wenigstens nach chinesischer
Auffassung, eine »Droge der Unsterblichkeit«. Andere Völker
des Ostens, die es mehr mit der Kurzzeitwirkung halten, lieben den Honigwein,
ein alkoholisches Getränk aus vergorenem Honig, dem freilich in Form
von Met schon die alten Germanen erlegen sind.
Dieser mehr geschichtliche Hinweis führt in den
wissenschaftlichen Bereich des Bienenlebens, den die Imker ehedem gerne
den Lehrern und Pfarrern überlassen haben, weil er viel mit Lesen
zu tun hat. Die umfangreiche Imkerbibliotek des Museums läßt
allerdings erkennen, daß es dieses Privileg zweier Stände längst
nicht mehr gibt.
Dr. Alfred Gailer
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